Quereinstieg: In welchen Berufen Sie auch ohne Ausbildung starten können
"Quereinsteiger willkommen" – diesen Zusatz sieht man in Stellenanzeigen immer häufiger. Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zum Umdenken. Aber welche Berufe meinen es ernst mit dem Quereinstieg, und wo ist die Formulierung nur eine Floskel?
Was ist ein Quereinstieg?
Als Quereinsteiger bezeichnen wir jemanden, der in einen Beruf wechselt, für den er keine klassische Ausbildung oder kein Studium hat. Das Wissen wird stattdessen durch Weiterbildungen, Bootcamps, Zertifikate oder Berufserfahrung in verwandten Bereichen erworben.
Wichtig: Quereinstieg bedeutet nicht "ungelernt". Die meisten Quereinsteiger bringen Qualifikationen mit – nur eben andere als die, die traditionell für den Beruf erwartet werden.
Top-Berufe für Quereinsteiger
Softwareentwicklung
Die IT-Branche ist der König der Quereinsteiger-Freundlichkeit. Coding Bootcamps können in 3-6 Monaten berufsreife Entwickler hervorbringen. Was zählt, ist das Portfolio und die Fähigkeit, Code zu schreiben – nicht das Diplom. Einstiegsgehalt: 38.000-48.000 Euro.
Pflegefachkraft
Der Pflegenotstand öffnet Türen. Über Pflegehelfer-Kurse (3-6 Monate) oder Umschulungen (2-3 Jahre) ist der Einstieg möglich. Die Kurse sind in der Regel komplett über den Bildungsgutschein finanzierbar. Einstiegsgehalt: 30.000-38.000 Euro.
Immobilienmakler
Eine formale Ausbildung ist nicht vorgeschrieben – nur eine Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO. Die IHK-Weiterbildung zum Immobilienfachwirt verbessert die Chancen, ist aber keine Pflicht. Verdienstmöglichkeiten: provisionsbasiert, 35.000-80.000 Euro.
Social Media Manager
Praktische Erfahrung und ein gutes Gespür für Trends zählen mehr als formale Abschlüsse. Marketing-Zertifikatskurse und ein nachweisbares Portfolio reichen für den Einstieg. Einstiegsgehalt: 32.000-42.000 Euro.
Handwerk
Viele Handwerksbetriebe nehmen auch ältere Quereinsteiger in verkürzte Ausbildungen oder Helferqualifizierungen auf. Die Handwerkskammer berät individuell. Verdienst: je nach Gewerk 28.000-45.000 Euro.
Ihre Fähigkeiten sind übertragbarer als Sie denken
Die meisten Berufserfahrungen enthalten übertragbare Fähigkeiten: Kommunikation, Organisation, Problemlösung, Teamarbeit, Kundenorientierung. Ein ehemaliger Gastronom bringt Stressresistenz und Serviceorientierung mit – perfekt für den Vertrieb. Eine ehemalige Lehrerin hat pädagogische Kompetenz – ideal für Coaching oder HR.
Listen Sie Ihre Fähigkeiten unabhängig von Ihrem bisherigen Jobtitel auf. Sie werden überrascht sein, wie viel davon in anderen Berufen gefragt ist.
Weiterbildungen für den Quereinstieg
Der schnellste Weg in einen neuen Beruf führt über gezielte Weiterbildungen. Achten Sie auf AZAV-Zertifizierung, wenn Sie eine Förderung über den Bildungsgutschein anstreben. Finden Sie Weiterbildungsanbieter in Ihrer Stadt über unser Verzeichnis.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich Gehaltseinbußen als Quereinsteiger hinnehmen?
Meistens ja, zumindest anfangs. Als Junior in einem neuen Beruf verdienen Sie weniger als in einer Seniorposition im alten. Aber der Gehaltsanstieg ist oft schneller, wenn Sie in eine wachsende Branche wechseln. Nach 2-3 Jahren können Sie häufig das alte Niveau erreichen oder übertreffen.
Wie überzeuge ich einen Arbeitgeber, mich als Quereinsteiger einzustellen?
Zeigen Sie konkret, welchen Mehrwert Ihre bisherige Erfahrung bringt. Ein Portfolio, Projektarbeiten aus der Weiterbildung und Referenzen sind entscheidend. Praktika oder Probetage können Zweifel ausräumen.
Gibt es eine Altersgrenze für Quereinsteiger?
Formal nein. Praktisch wird es ab 55 schwieriger, aber nicht unmöglich. In Branchen mit starkem Fachkräftemangel (IT, Pflege, Handwerk) sind Arbeitgeber auch bei älteren Quereinsteigern offen, wenn die Qualifikation stimmt.