Meisterprüfung im Handwerk: Kosten, Dauer und Karrierechancen

"Meister" – dieser Titel hat in Deutschland einen besonderen Klang. Er steht für höchste handwerkliche Kompetenz, Ausbildungsberechtigung und unternehmerische Selbstständigkeit. Aber lohnt sich der Meister noch? Spoiler: Ja, mehr denn je.

Was bringt der Meisterbrief?

Meisterprüfung im Handwerk: Kosten, Dauer und Karrierechancen
  • Selbstständigkeit: In zulassungspflichtigen Handwerken (z.B. Elektro, SHK, Bäcker) ist der Meister Voraussetzung für die Selbstständigkeit
  • Ausbildungsberechtigung: Nur Meister dürfen Lehrlinge ausbilden
  • DQR Niveau 6: Der Meisterbrief ist dem Bachelor gleichgestellt
  • Höheres Gehalt: Meister verdienen im Schnitt 20-30% mehr als Gesellen
  • Studium ohne Abitur: Der Meistertitel berechtigt zum allgemeinen Hochschulzugang

Aufbau der Meisterprüfung

Die Meisterprüfung besteht aus vier Teilen:

Teil I – Fachpraktische Prüfung: Das Meisterstück oder eine Arbeitsprobe. Hier zeigen Sie Ihre handwerkliche Exzellenz.

Teil II – Fachtheoretische Prüfung: Fachtechnik, Auftragsabwicklung und Betriebsführung. Schriftliche Prüfungen im Fachgebiet.

Teil III – Betriebswirtschaftliche Prüfung: BWL, Recht, Rechnungswesen und Marketing. Dieser Teil ist für alle Handwerke identisch.

Teil IV – Berufs- und Arbeitspädagogik (AEVO): Die Ausbildereignungsprüfung. Qualifiziert zur Ausbildung von Lehrlingen.

Kosten und Förderung

Die Gesamtkosten liegen je nach Gewerk bei 4.000-12.000 Euro (Kursgebühren plus Materialien). Hinzu kommen Prüfungsgebühren der HWK (1.000-2.000 Euro).

Die wichtigste Förderung: Aufstiegs-BAföG. Es übernimmt bis zu 75% der Kursgebühren als Zuschuss (50% sofort, 50% bei Bestehen). In Bayern gibt es zusätzlich den Meisterbonus von 3.000 Euro nach bestandener Prüfung.

Dauer der Meistervorbereitung

Meisterprüfung im Handwerk: Kosten, Dauer und Karrierechancen - illustration

In Vollzeit dauert die Vorbereitung 6-12 Monate. Berufsbegleitend (Abendkurse, Wochenende) sind 1,5-3 Jahre realistisch. Manche Handwerker absolvieren die vier Teile nacheinander, andere parallel. Die Reihenfolge ist flexibel.

Die Handwerkskammern in München, Hamburg, Köln und anderen Großstädten bieten verschiedene Kursmodelle an.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich den Meister für jedes Handwerk?

Nein, nur für zulassungspflichtige Handwerke (Anlage A der HwO, z.B. Elektro, SHK, Dachdecker, Bäcker). In zulassungsfreien Handwerken (Anlage B, z.B. Fliesenleger, Raumausstatter) können Sie sich auch ohne Meister selbstständig machen.

Was verdient ein Handwerksmeister?

Das variiert stark nach Gewerk und Region. Elektro- und SHK-Meister verdienen als Angestellte 45.000-65.000 Euro. Selbstständige Meister können deutlich mehr verdienen, tragen aber auch das unternehmerische Risiko.

Kann ich den Meister auch mit 40 oder 50 noch machen?

Ja, es gibt keine Altersgrenze. Die Berufserfahrung, die Sie mitbringen, ist sogar ein Vorteil. Viele der erfolgreichsten Meisterschüler sind Mitte 30 bis 40 – sie haben genug Praxis, um die Theorie schnell zu verstehen und einzuordnen.

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